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Niedersächsischer Philologentag 2017 eröffnet:

Bekenntnis zu einem "starken Gymnasium"

Buchautor Kraus: "Ohne Inhalte und ohne Anstrengung geht es nicht"

Appell an die neue Koalition: Endlich 40-Stunden-Woche auch für Lehrer:
Steter Einsatz für ein starkes Gymnasium"

Mit nachdrücklicher Kritik an der bisher von Rot-Grün systematisch betriebenen Senkung schulischer Anforderungen und der damit einhergehenden Inflationierung qualifizierter schulischer Abschlüsse sowie mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zu einem leistungsfähigen und "starken" Gymnasium hat der Niedersächsische Philologentag 2017 in Anwesenheit von Landtagspräsident Bernd Busemann in Goslar begonnen.

Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Verwaltung sowie den 350 Delegierten aus den niedersächsischen Gymnasien und Gesamtschulen hielt der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, der bisherigen Landesregierung ein langes Sündenregister vor. So habe Rot-Grün mit dem Wegfall der Schullaufbahnempfehlung nach der Grundschule signalisiert, dass für den Besuch des Gymnasiums keine besondere Eignung mehr erforderlich sei. Im Sekundarbereich I des Gymnasiums sei der Stundenanteil der anspruchsvollen naturwissenschaftlichen Fächer gegenüber dem früheren G9 verringert worden. Durch die neue Oberstufenverordnung habe das Kultusministerium zudem die Zahl der schriftlichen Klausuren reduziert. Die Fachhochschulreife werde jetzt zu wesentlich herabgesetzten Anforderungen vergeben, und die Verbindlichkeit der zweiten Fremdsprache in Klasse 11 könne künftig unterlaufen werden – ein Unding in einem Europa, das auf den ständigen Dialog seiner Bürger setze, was möglichst umfangreiche Sprachkenntnisse zur Voraussetzung habe.

Mit den Worten "Es muss jetzt Schluss sein mit einer Bildungspolitik, die keine Probleme löst, sondern ständig neue Probleme schafft" wandte sich Audritz an die neuen Koalitionäre von SPD und CDU. Er unterstrich, dass der Philologenverband nunmehr in der Schul- und Bildungspolitik einen durchgreifenden Kurswechsel erwarte, wenn die zukünftige Regierung ihre selbst erklärten Zielsetzungen ernst nähme, Niedersachsen voranbringen zu wollen. In einem zukunftsorientierten leistungsfähigen Bildungswesen gehörten Fördern und Fordern zusammen, unterstrich Audritz.

Der Festredner des Philologentages, der bekannte Buchautor Josef Kraus, bekräftigte, dass der Druck auf die Lehrkräfte, die Anforderungen ständig zu senken, jetzt gestoppt und in allen Schulformen eine Form von Bildung wieder hergestellt werden müsse, die dem Wohl des Landes und seiner jungen Menschen diene. Dazu gehörten der Erhalt der Förderschulen und Korrekturen an dem Gymnasien von Rot-Grün verordneten Leistungsabbau auch in der Oberstufe ebenso wie ein Ende des unsäglichen „Schreibens nach Gehör" in der Grundschule und die Wiedereinführung von Noten und einer aussagekräftigen Laufbahnempfehlung am Ende der Klasse 4. Gegen die Kompetenzorientierung, bei der „Kompetenzen“ statt verbindlicher Inhalte und solider Sachkenntnisse als Lernziel ausgegeben werden, setzte Kraus eine „Renaissance des Wissens". Insgesamt gelte die alte Weisheit: "Schulische Bildung geht nicht ohne fachliche Inhalte und ohne Anstrengung".

Entschieden wandte sich Kraus in seiner Rede gegen den im Zusammenhang mit den Koalitionsverhandlungen vielfach zitierten Satz, dass es in der Schulpolitik nicht um Schulstrukturen gehe. Diese seien jedoch keineswegs zweitrangig. Es möge Lehrern ja schmeicheln, meinte Kraus, wenn es hieße: "Auf den Lehrer und seinen Unterricht kommt es an, nicht auf die Strukturen". Dieser Satz sei aber nur zu einem Drittel richtig und eher eine Alibiaussage für unentschlossenes Handeln. Zu zwei Dritteln hänge der Bildungserfolg nämlich von der Schulstruktur samt dem dort vorgegebenen Anspruchsniveau und von der Bildungswilligkeit der jungen Menschen ab.

In der Rede von Audritz spielte neben den bildungspolitischen Ausführungen auch die Senkung der Lehrerarbeitszeit eine wichtige Rolle. Der Philologenverband erwarte von der neuen Landesregierung, so Audritz, dass sie endlich die Frage der zu hohen Arbeitszeit der Lehrer anpacke. Daher müsse jetzt die längst überfällige Umsetzung der für alle Beamten gesetzlich vorgeschriebenen 40-Stunden-Woche auch für alle Lehrkräfte ganz vorn auf der Tagesordnung der neuen Koalition stehen. Auf diesem Feld sei das Land bisher gänzlich untätig geblieben und habe sich um seine Verantwortung, rechtskonforme Arbeitszeitbedingungen in den Schulen zu schaffen, gedrückt. Damit müsse endlich Schluss sein, auch und nicht zuletzt, wenn die neue Landesregierung mit der niedersächsischen Lehrerschaft wieder "zu geordneten Verhältnissen" zurückfinden wolle.

Goslar, 07.11.2017

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