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Philologentag 2017 appelliert an neue Koalitionsregierung:

Nach Auffassung der Delegierten sei es zudem unerlässlich, dass die neue Landesregierung nach den jahrelangen Versäumnissen von Rot-Grün ihre Fürsorgepflicht für die niedersächsischen Lehrerinnen und Lehrer wahrnehme und insgesamt ihrer Verpflichtung und Verantwortung, für eine rechtskonforme Arbeitszeit der Lehrer zu sorgen, nachkomme.

Die Vertreterversammlung erinnerte daran, dass die Arbeitszeit der niedersächsischen Beamten nach Beamtengesetz im Jahresdurchschnitt 40 Stunden in der Woche nicht überschreiten dürfe. Diese Rechtsvorschrift gelte auch für Lehrer. Doch die bisherige Landesregierung habe ihre Pflicht verletzt, auch für Lehrkräfte die 40-Stunden-Woche sowie die Einhaltung der Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes und der Arbeitszeitverordnung für Beamte sicherzustellen. Damit müsse nun endlich Schluss sein, wenn die neue Koalitionsregierung das verloren gegangene Vertrauen der Lehrerschaft wiedergewinnen wolle.

Dieses Vertrauen sei jedoch nicht zurückzugewinnen, wenn die Koalitionäre mit fragwürdigen Arbeitszeitmodellen den Rechtsanspruch der Lehrer auf die 40-Stunden-Woche unterlaufen würden.

Zwar gebe es erste Anzeichen dafür, so die Delegierten, die Pflichtstundenzahl von Lehrergruppen zu senken; dabei müsse aber zunächst diejenige Lehrergruppe vorrangig Berücksichtigung finden, die ausweislich aller bisherigen Arbeitszeituntersuchungen die höchste Arbeitszeit hat. Das seien zweifelsfrei die Lehrkräfte an Gymnasien, die im Jahresdurchschnitt eine wöchentliche Arbeitszeit von weit über 40 Stunden hätten. Die Lehrkräfte an Gymnasien würden es daher als einen nicht hinnehmbaren Affront verstehen, wenn gerade sie von einer Verkürzung ihrer Pflichtstundenzahl ausgenommen würden, zumal das weiterhin in krassem Widerspruch zur gesetzlich festgelegten 40-Stunden-Woche stände und damit sicherlich einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhielte.

In diesem Zusammenhang forderte die Vertreterversammlung auch die Wiedereinführung der von der bisherigen Landesregierung wortbrüchig gestrichenen Altersermäßigung. Insgesamt seien bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte dringend erforderlich, wenn der Lehrerberuf gegenüber der Wirtschaft wieder konkurrenzfähig werden und junge Menschen für diesen Beruf gewonnen werden sollten.

Die Jahresversammlung der Philologen beschloss neben der Verkürzung der Arbeitszeit eine Anhebung der Besoldung der Gymnasiallehrer um eine Gehaltsstufe, wie das derzeit für andere Lehrergruppen diskutiert werde. Ein nicht unwesentlicher Grund für die unzureichende Unterrichtsversorgung an den Gymnasien sei die Tatsache, dass immer weniger junge Menschen nach ihrem Studium den Beruf eines Gymnasiallehrers ergreifen wollten, nicht zuletzt weil gerade angehende Gymnasiallehrer mit ihrem vertieften fachwissenschaftlichen Wissen angesichts des Fachkräftemangels in der Wirtschaft hoch begehrt seien.

Da das Land als Arbeitgeber der Lehrkräfte mit der Privatwirtschaft aufgrund der schlechteren Bezahlung und der schlechteren Arbeitsbedingungen bekanntermaßen derzeit nicht konkurrieren könne, sei zu befürchten, dass der Lehrermangel in Niedersachsen, insbesondere an den Gymnasien, weiter zunehmen werde.

Die Delegierten forderten daher angesichts dieser geradezu dramatischen Entwicklung die neue Landesregierung auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um den Beruf des Gymnasiallehrers, insbesondere auch in finanzieller Hinsicht, attraktiv zu machen. Eine undifferenzierte Einheitsbesoldung für alle Lehrer stehe dem aber entgegen.

Die Vertreterversammlung unterstrich zudem, dass Schulstrukturen und Lehrerbildung seit jeher aufeinander bezogen seien. Wer die Lehrerbildung verändere, der ziele auf Veränderung der Organisation und Struktur des Schulwesens. Derartige Zielsetzungen lehnte die Vertreterversammlung nachdrücklich ab und forderte von den Koalitionären ein klares und unmissverständliches Bekenntnis zu einer Lehrerbildung nach Schulformen und damit insbesondere auch eine eigenständige Lehrerausbildung für Gymnasiallehrer.

Dringende Korrekturen sind nach Auffassung der Delegierten bei der Inklusion notwendig. Nicht wenige behinderte Schülerinnen und Schüler erhielten bei einem inklusiven Unterricht nicht die für sie unerlässliche spezifische Unterstützung und Förderung – ein gleichermaßen bedrückender und alarmierender Sachverhalt. Die Vertreterversammlung mahnte als unantastbares Grundprinzip ausdrücklich an, das oberste Priorität bei allen Maßnahmen das Kindeswohl sein müsse – so wie es auch die UN-Konvention verlange. Dafür sei es unerlässlich, dass neben einer inklusiven Beschulung zumindest auch wieder die uneingeschränkte Betreuung in Förderschulen vorgesehen werde.

Goslar, 08.11.2017

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