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Philologenverband: Neuer Schulfahrtenerlass eine einzige Enttäuschung

Lehrkräfte bei Reisekostenerstattung für Schulfahrten weiterhin krass benachteiligt

„Der neue Schulfahrtenerlass ist für die Lehrkräfte eine einzige Enttäuschung. Auch wenn er gegenüber  den  bisherigen  völlig inakzeptablen  Regelungen  einige  Verbesserungen  bringt,  benachteiligt  er die  Lehrer  weiterhin  in  nicht  nachvollziehbarer  Weise  deutlich  gegenüber  den  übrigen  Landesbediensteten."

Mit diesen Worten kommentierte der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen,  Horst Audritz, die Ankündigung einer Neufassung des Schulfahrtenerlasses durch Kultusministerin Heiligenstadt,  der  am  1.  November  in  Kraft  treten  soll.  Zusätzliche  Ungerechtigkeiten  schaffe  der Erlass  insbesondere dadurch, dass er nicht rückwirkend zum Beginn des Schuljahres in Kraft trete, so dass die Lehrkräfte, die im Vertrauen auf die Zusagen der Ministerin in diesem Schuljahr bereits Schulfahrten durchgeführt  hätten, leer  ausgingen. Audritz  fordert  daher  mit  Nachdruck  eine  rückwirkende  Regelung,  die  der  Philologenverband  zuletzt  in  einem  Schreiben  Anfang  Oktober  an die  Ministerin  angemahnt hatte.

Die neuen Sätze für Übernachtungskosten, die Pauschale für die Nebenkosten der Lehrkräfte und der Ausgleich  für  die  bei  Klassenfahrten  deutlich  höhere  Arbeitszeit  entsprächen  auch  in  Zukunft  nicht dem tatsächlichen Aufwand, kritisierte Audritz. So seien die Übernachtungskosten mit  Höchstsätzen von  20  Euro  bzw.  30  Euro  bei  Einzelnachweis  nur  knapp  auf  Jugendherbergsniveau.  Die  Nebenkostenpauschale  von 10 Euro pro Tag und maximal 30 Euro bei mehrtägigen Schulfahrten decke insbesondere bei Studienfahrten der gymnasialen Oberstufe keinesfalls die tatsächlichen Kosten. So koste beispielsweise  allein  ein  Sammelticket  für  den Besuch  der  Akropolis  und  sechs  weiterer  archäologischer Stätten in Athen 52 Euro. Auch die Verpflegungskosten blieben unter den tatsächlichen Ausgaben, so dass die Lehrer bei Schulfahrten auch in Zukunft aus eigener Tasche draufzahlen müssten.

Ferner  könne,  so  Audritz,  auch  der  Arbeitszeitausgleich  von  einer  Unterrichtsstunde  pro  Fahrttag angesichts der tatsächlichen Arbeitszeit bei Klassenfahrten von etwa 16 Stunden pro Tag für die begleitende  Lehrkraft  nur  als  unzureichend  angesehen  werden.  Hinzu  käme, dass  den  Schulen  keine zusätzlichen Stunden zugewiesen werden. „Die Schulen müssen die Stunden selbst erwirtschaften. Das Land zahlt hierfür keinen Cent."

Besonders  ärgerlich  sei,  dass  Lehrer  bei  der  Kostenerstattung  für  Schulfahrten  gegenüber  den  übrigen öffentlich  Bediensteten  weiterhin  krass  benachteiligt  würden.  Selbst  Kultusministerin  Heiligenstadt  habe  in  ihrer  Presseinformation  zugegeben,  dass  die  Lehrer  nur  50  Prozent  der  für  Landesbedienstete  üblichen  Dienstreisekosten  erstattet  bekämen.  Diese  Ungleichbehandlung  sei  in  keiner Weise  zu  rechtfertigen,  unterstrich  Audritz.  Der  Philologenverband  fordere  daher  weiterhin  die Gleichstellung  der  Lehrkräfte  mit  den  übrigen  Landesbediensteten  bei  der  Reisekostenerstattung sowie die Erstattung aller tatsächlich angefallenen Kosten.

Hannover, 30.10.2015

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