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Philologenverband sieht neuen Konflikt zwischen Kultusministerium und Lehrerschaft heraufziehen

Online-Befragung der Lehrkräfte soll vom Problem der Arbeitsüberlastung ablenken

Philologenverband fordert erneut 40-Stunden-Woche für alle Lehrkräfte


„Kultusministerin Heiligenstadt ist auf dem besten Wege, einen neuen Konflikt mit der Lehrerschaft vom Zaun zu brechen."

Mit diesem Worten kritisierte der Hauptvorstand, das höchste Beschlussgremium des Philologenverbandes Niedersachsen zwischen den Vertretertagen, auf seiner heutigen Sitzung die untauglichen Pläne der Ministerin, auf das Problem der überhöhten Arbeitszeit der niedersächsischen Lehrkräfte zu reagieren.

Die Sitzung des „Forums Eigenverantwortliche Schule" am vergangenen Freitag im Kultusministerium habe deutlich gemacht, dass es Heiligenstadt gar nicht um den Anspruch der Lehrkräfte auf die Herstellung der im Beamtengesetz festgelegten 40-Stunden-Woche gehe. Jede Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung sowie die Bereitstellung von Anrechnungsstunden für zusätzliche Aufgaben habe die Ministerin nämlich schon im Vorhinein abgelehnt. Vielmehr sei klar geworden, dass Heiligenstadt ein groß angelegtes Ablenkungsmanöver plane und die Forderung der Lehrerverbände auf diese Weise zu ignorieren versuche.

Bezeichnend dafür sei allein schon, dass die vorgesehene Online-Umfrage unter den 86.000 Lehrkräften den Titel „Mehr Zeit für gute Schule" trage. Von einer empirisch-sachbezogenen Feststellung des Arbeitszeitaufwandes für die einzelnen Lehrertätigkeiten sei dabei überhaupt nicht die Rede. Vielmehr sei es erklärtes Ziel der Untersuchung, einen „gemeinsamen Lern- und Entwicklungsprozess aller Lehrkräfte des Landes" in Gang zu setzen. Allenfalls solle nach „subjektiven Belastungserfahrungen“ der Lehrkräfte gefragt werden. Mit dieser Zielsetzung sehe der Philologenverband – wie andere Lehrerorganisationen auch – das Vorhaben des Kultusministeriums als inhaltlich und methodisch völlig verfehlt an.

Der Hauptvorstand unterstrich erneut, dass es Ziel des Philologenverbandes sei, endlich die für alle Beamten gesetzlich festgelegte 40-Stunden-Woche auch für die Lehrkräfte durchzu-setzen. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass die Bestimmungen des Arbeitsschutz-gesetzes mit seinen Höchstgrenzen für die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit eingehalten würden.

Der Hauptvorstand erneuerte die Forderung des Philologenverbandes, durch die umgehende Streichung bestimmter, ebenso arbeitsintensiver wie ineffektiver außerunterrichtlicher Aufgaben einen ersten Schritt zur Entlastung der Lehrkräfte zu tun. Man brauche z.B. keine umständliche Befragung, um den arbeitsaufwändigen Unsinn zu beseitigen, dass jede einzelne Schule für zahlreiche Aufgabenbereiche eigene „Konzepte“ sowie eigene Lehrpläne für jedes Fach entwickeln, überprüfen und fortschreiben müsse. Ebenso sei seit langem klar, dass bestimmte Verwaltungsaufgaben der Schulen zentral von der Landesschulbehörde effektiver erledigt werden könnten.

Der Hauptvorstand forderte Kultusministerin Heiligenstadt auf, ihre untauglichen Ablenkungsmanöver in Sachen Lehrerarbeitszeit endlich aufzugeben. Er kündigte gleichzeitig neue Aktivitäten des Philologenverbandes auf verschiedenen Ebenen an, um dem Recht der Lehrkräfte auf die 40-Stunden-Woche endlich zum Durchbruch zu verhelfen.

Hannover, 04.02.2016

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