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Philologenverband: Heftige Kritik an schlechter Unterrichtsversorgung

Kultusministerin redet Unterrichtsversorgung schön

Der Philologenverband Niedersachsen hat Kultusministerin Heiligenstadt vorgeworfen, die Unterrichtsversorgung in unverantwortlicher Weise schönzureden. Die Aussage der Ministerin, die Versorgung sei „auf hohem Niveau gesichert“, sei ein sehr selbstgefälliges Urteil, das mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun habe, urteilte der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz. Vielmehr seien die jetzt bekannt gegebenen Werte die schlechtesten seit vielen Jahren. Lediglich die Grundschulen seien zu mehr als 100 Prozent versorgt.

Die 99,8 Prozent durchschnittliche Unterrichtsversorgung an den Gymnasien könnten nur für Ignoranten und Nichtkenner der Materie beruhigend sein. Diese rein statistische Zahl mache nicht den erheblichen fächerspezifischen Unterrichtsausfall deutlich, der vom Ministerium gar nicht erfasst werde. Sie berücksichtige auch nicht, dass die Unterrichtsversorgung nicht weniger Gymnasien weit unter diesem Durchschnitt liege. Auch die Ausfälle durch Krankheiten oder Klassenfahrten seien dabei nicht berücksichtigt.

Audritz erinnerte daran, dass die Ministerin in ihren Oppositionszeiten als schulpolitische Sprecherin der SPD sogar Unterrichtsversorgungen von über 100 Prozent heftig kritisiert und als völlig unzureichend bezeichnet hatte. Es sei schon verwunderlich, dass ihr diese richtige Einsicht von damals jetzt offensichtlich völlig verloren gegangen sei.

Wenn die Ministerin zudem verkünde, dass alle Pflichtstunden erteilt werden könnten, so müsse sie sich fragen lassen, ob sie den Schulbetrieb auf die Erteilung der Pflichtstunden reduzieren und die für Fördermaßnahmen und Ganztagsschule, für Inklusion und Sprachförderung und vieles andere mehr erforderlichen Stunden streichen wolle. In diesem Zusammenhang müsse auch an ihre eigene Äußerung vor dem Landtag erinnert werden, dass die Gesamtschulen schon mit 70 Prozent ihrer Lehrerstunden den Pflichtunterricht abdecken könnten, die Gymnasien aber erst mit 92 Prozent. Offensichtlich geschehe die Lehrerstundenzuweisung nach einseitigen und wenig durchsichtigen Gesichtspunkten.

Auch der Hinweis auf Tausende von Flüchtlingskindern als Grund für die verschlechterte Unterrichtsversorgung könne man nicht gelten lassen, so Audritz, da diese zum Stichtag der statistischen Erhebung vom 15. September letzten Jahres noch gar nicht in den Schulen gewesen seien.

Wohlweislich werde auch seit kurzem die Unterrichtsversorgung zum 1.2. nicht mehr erhoben. Rückmeldungen aus den Schulen ließen darauf schließen, dass sich die Unterrichtsversorgung aktuell erneut verschlechtert habe. Dem müsse umgehend abgeholfen werden. Audritz unterstrich, dass spätestens der Einstellungstermin im kommenden Sommer dazu genutzt werden müsse, die Unterrichtsversorgung grundlegend zu verbessern. Dazu gehöre auch eine ausreichende Vertretungsreserve.

Hannover, 10.02.2016

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