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Philologenverband übt scharfe Kritik an Heiligenstadts Oberstufenverordnung

Ministerin betreibt "Bildungsabbau pur"
"Weiteres Beispiel für die leistungsfeindliche Politik der Ministerin!


In ungewöhnlich scharfer Form hat der Philologenverband Niedersachsen den Entwurf von Kultusministerin Heiligenstadt zur Neugestaltung der Oberstufe und des Abiturs des neuen neunjährigen Gymnasiums kritisiert.

„Ministerin Heiligenstadt hat offenbar den Ehrgeiz, ihre bisher schon leistungsfeindliche Schulpolitik noch zu toppen", erklärte der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz, auf einer Pressekonferenz in Hannover. Nachdem sie bereits in der Mittelstufe des Gymnasiums Stundenkürzungen bei den MINT-Fächern vorgenommen habe und Schüler auch trotz mehrfacher Nichtversetzung in die nächsthöhere Klassenstufe aufsteigen sollen, wolle sie jetzt auch in der gymnasialen Oberstufe möglichst viele notwendige Anforderungen beseitigen.

Absolut unverständlich und ein besonders eklatantes Beispiel für den planmäßigen Abbau notwendiger Leistungsanforderungen sei die neue Regelung für die Versetzung von der 11. Klasse in die zweijährige Kursstufe (12. und 13. Klasse). Bei der Versetzungsentscheidung blieben in Zukunft ein bis drei Pflichtfächer des Schülers völlig unberücksichtigt, weitere mangelhafte Leistungen seien möglich.

Das bedeute konkret, dass ein Schüler Unterricht teilweise nur noch „abzusitzen" brauche und zum Beispiel mit ungenügenden Leistungen in Biologie, Physik und Chemie sowie einer mangelhaften Leistung in Mathematik automatisch in die Kursstufe versetzt werde. Selbst mit insgesamt 5 „Unterwertungen" könne er auf Beschluss der Klassenkonferenz noch versetzt werden. Eine solche Regelung sei eine Farce und an Absurdität und Leistungsfeindlichkeit nicht mehr zu überbieten, unterstrich Audritz.

Als weiteren Beleg für den gezielten Abbau von Bildung nannte Audritz die mögliche Streichung der Verpflichtung zu einer zweiten Fremdsprache in der neuen Jahrgangsstufe 11, was vor allem auch das Erlernen einer dritten Fremdsprache einschränke. Die sichere Beherrschung mehrerer Sprachen und interkulturelle Kompetenz, wie sie durch Fremdsprachenunterricht vermittelt würden, seien aber unverzichtbare Kernbereiche, die das Gymnasium in seiner qualitativen Arbeit charakterisierten.

Weitere Beispiele für Heiligenstadts bewussten Leistungsabbau seien die Verminderung der Zahl der Klausuren in der Kursstufe, die Einführung einer „Präsentationsprüfung“ im 5. Abiturprüfungsfach und die deutliche Senkung der Anforderungen für die Fachhochschulreife. Die Aufgabe der Präsentationsprüfung könne der Prüfling bereits zwei Wochen vor der Prüfung zu Hause bearbeiten und sich dabei unkontrollierbar in großem Umfang der Hilfe Dritter bedienen. Die Fachhochschulreife würden in Zukunft auch Schüler erhalten, die in zwei ihrer drei Leistungsfächer mangelhafte Leistungen aufwiesen.

Mit den geplanten Änderungen der gymnasialen Oberstufe betreibe Heiligenstadt zum Nachteil der Schüler wie der Gesellschaft einen weiteren eklatanten Abbau der Bildungsqualität, unterstrich Audritz seine Kritik. Ministerpräsident Weil habe in seiner Regierungserklärung Bildungspolitik als „Wirtschaftsförderung pur“ bezeichnet und erklärt, dass „der Fachkräftebedarf zur zentralen Herausforderung für die weitere Entwicklung wird".

Seine Kultusministerin aber torpediere mit ihrer Politik diese zutreffende Einschätzung des Ministerpräsidenten und zeige unentwegt, dass es ihr auf Bildung, auf Leistung und eigene Anstrengung der Schüler nicht ankomme „Das ist Bildungsabbau pur. So kann und darf es nicht mehr weitergehen“, warnte Audritz.

Hannover, 8.3.2016

Pressemitteilung als pdf

Hintergrundinformation:
Bitte beachten Sie die Darstellung der geplanten neuen Versetzungsregelung von Jahrgang 11 in die Qualifikationsphase in der gesonderten Anlage.