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Oberstufenverordnung: Philologenverband erstaunt über Heiligenstadts Replik

Kürzung der MINT-Fächer ist unbestreitbar
Versetzungsregelung nach Jahrgang 11 und Streichung der zweiten Fremdsprache indiskutabel


Mit größtem Erstaunen hat der Philologenverband Niedersachsen die Äußerungen der Kultusministerin zu seiner Kritik an der geplanten Oberstufenverordnung zur Kenntnis genommen. Ihre Äußerungen würden die Frage aufwerfen, ob ihr manche Sachverhalte nicht gegenwärtig seien bzw. sie sie nicht richtig wahrnehmen wolle.

So werde die Behauptung der Ministerin, der Philologenverband stelle bzgl. der Kürzung in den MINT-Fächern im Sekundarbereich I falsche Behauptungen auf, für sie zu einem "echten Bumerang". Denn nachweislich habe sie den Unterricht z.B. in Physik gegenüber dem früheren G9 um ein bis zwei Stunden, in Chemie sogar um zwei bis drei Stunden und damit um mindestens ca. 10% bzw. 20% gekürzt. Damit sei der Anteil der MINT-Fächer auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren verringert worden, unterstrich der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz. Erschwerend komme jetzt noch hinzu, dass durch die geplante Oberstufen-verordnung im Jahrgang 11 sogar noch eine Naturwissenschaft durch Informatik ersetzt werden könne, statt Informatik zusätzlich vorzusehen. Dadurch könnten sich die Fachanteile einer Naturwissenschaft noch um weitere 2 Stunden verringern.

Wenn dann auch noch, wie von der Ministerin geplant, Schüler bei Streichung der 2. Fremdsprache trotz ungenügender Leistungen in Biologie, Chemie und Physik sowie mangelhafter Leistungen in Mathematik automatisch in die Qualifikationsphase versetzt werden müssten, dann frage man sich, welchen Stellenwert diese Fächer für die Ministerin im Bildungsauftrag der Schule überhaupt hätten.

Verwundert zeigte sich Audritz auch über die Äußerungen der Ministerin zur zweiten Fremdsprache im neuen Jahrgang 11. Auf der einen Seite schaffe sie die Möglichkeit der Streichung der zweiten Fremdsprache, um jetzt wie zur Beruhigung darauf hinzuweisen, sie vertraue auf „sachgerechte“ Entscheidungen der Schulen. Das könne doch wohl nur bedeuten, dass die Schulen von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen sollten.

Erstaunt sei der Philologenverband auch über die Darstellung, die im Wahlpflichtbereich statt der Fremdsprache zu wählenden zwei Fächer sollten den Schülern die Möglichkeit bieten, sich auf eine Schwerpunktbildung in der Qualifikationsphase vorzubereiten. Die Ministerin übersehe hier, dass einige dieser Fächer als Schwerpunktfächer überhaupt nicht möglich seien, andere an vielen Schulen gar nicht angeboten würden. Zudem solle das Fachangebot von der Unterrichtsversorgung der Schulen abhängen, die bekanntermaßen derzeit mehr als problematisch sei.

Der Öffentlichkeit sei bisher auch verschwiegen worden, dass es automatisch in großem Umfang zu nicht sinnvollen Fächerdoppelungen komme: Wenn z. B. ein Schüler, der als Pflichtfächer bereits Kunst und Darstellendes Spiel betreibe, nun als „Ersatz“ für die zweite Fremdsprache zusätzlich nochmals Kunst und Darstellendes Spiel wählen könne, dann stelle sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer derartigen Regelung, zumal Darstellendes Spiel zudem überhaupt kein Schwerpunktfach sein könne.

Wenn die Ministerin nun einräume, dass sie Kritikpunkte jetzt prüfen wolle, sei das zwar dringend notwendig und geboten – es stelle sich aber auch die Frage, warum sie die wohl begründete und deutliche Kritik des Philologenverbandes und vieler anderer, die ihr seit über einem Jahr schriftlich und mündlich immer wieder vorgetragen worden sei, bisher völlig ignoriert habe.

Insgesamt könne man angesichts der massiven und berechtigten Einwände nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, dass die Ministerin in ihrer Replik ihren Verordnungsentwurf als "fundiert, modern und innovativ" lobe. Bei einer derartigen Einschätzung könne es einem um die weitere Bildung der Schülerinnen und Schüler in Schule und Hochschule sowie um die erforderlichen Fachkräfte nur angst und bange werden.

Hannover, 9.3.2016

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