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02.12.2012 Bildung durch Ökonomisierung bedroht

Aufrüttelnder Vortrag von Prof. Jochen Krautz

Wohl kaum jemals hat ein Festvortrag vor einem Philologentag einen derart langen Beifall gefunden wie der von Professor Jochen Krautz zum Thema „Ökonomismus in der Bildung: Menschenbilder, Reformstrategien, Akteure". Die Kernthese von Krautz: Das Grundmotiv des größten Teils jüngerer Bildungsreformen ist die Übertragung eines verkürzten ökonomischen Denkens auf Schule und Hochschule, das deren Auftrag im Kern verfehlt. Die Umgestaltung der Bildungsinstitutionen nach ökonomistischen Maximen ist strategisch geplant und wird mit raffinierten manipulativen Strategien durchgesetzt. Dieses Denken hat seinen Ausgangspunkt in den USA, Hauptakteure in Deutschland sind heute die OECD und die Bertelsmann-Stiftung.

Die Akteure setzen nicht auf Diskurs und Überzeugung: Strategisch gesteuert werden bestimmte Thesen und Normen „gesetzt". Mit PISA z.B. wurde eine neue Bildungsnorm in Deutschland etabliert, so genannte Vetoplayers wurden durch Isolierung, Gegeneinander-Ausspielen und Beschwichtigung durch Scheinpartizipation ausgeschaltet. Eine wichtige Überwältigungstechnik ist der Alarmismus: So prophezeit die OECD permanent den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands, wenn nicht nach ihren Rezepten gehandelt werde. Tatsache ist: Auch das niedersächsische Schulwesen wurde in den letzten 15 Jahren fast eins zu eins nach den Vorstellungen der Bertelsmann-Stiftung, dem „heimlichen Kultusministerium Deutschlands", umgestaltet. Aber der Widerstand gegen das brain washing wächst. Der Beifall für Professor Krautz zeigte es deutlich.

Mehr erfahren Sie in einem Aufsatz von Prof. Krautz, den Sie hier herunterladen können. Eine kürzere Fassung des Vortrags veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe von „Gymnasium in Niedersachsen".

Krautz, Jochen: Bildungsreform und Propaganda. Strategien der Durchsetzung eines ökonomistischen Menschenbildes in Bildung und Bildungswesen.
In: Sonderheft „Demokratie setzt aus“ der Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik 2012, S. 86-128