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Kommentar zur Umorganisation der NLSchB: Das Beste für Schüler und Lehrkräfte ist diese Entscheidung wohl nicht!

Kommentar von Ann-Christin Malorny

Schon der Zeitpunkt irritiert. Die Sommerferien haben gerade begonnen und dann diese Ankündigung. Pressekonferenzen des Kultusministers finden traditionell zum Schuljahresbeginn statt. Fünf Wochen vorher noch eine eigene Pressekonferenz - und das mitten im „Sommerloch", in dem die Schulen naturgemäß leer, die Lehrkräfte auf dem Weg in den Urlaub sind oder auch das Arbeitszimmer aufräumen - da muss es Bahnbrechendes zu verkünden geben.

Aber lassen wir die Äußerlichkeiten beiseite. Zum Kern: Die Behörde soll regionalisiert werden und „näher ran" an die Schulen und uns Lehrkräfte. Die Landesschulbehörde ist zwar genau aus diesem Grunde umfangreich im Land vertreten (s.o.); allein: Ihr fehlt das nötige Personal im Beratungsbereich. Dass durch die direkte ministerielle Steuerung über Satellitenämter eine größere Vernetzung erfolgt, ist unrealistisch.

Der Aufbau der Landesschulbehörde war seinerzeit wissenschaftlich begleitet, wurde umfangreich diskutiert, dann vom MK so vorgegeben und es hat lange gedauert, bis die Behörde umgestaltet war. Sie ist bestimmt nicht perfekt, aber sie ist eingespielt. Eine neue langwierige Umgestaltungszeit können wir nicht noch einmal gebrauchen.

Die Idee aus der Koalitionsvereinbarung von CDU und SPD in Niedersachsen leuchtet ein: Es soll eine stärkere Steuerung und bessere Dienstleistung für die Schulen geben. Diese Ziele sind Aufruf, die Beratungs- und Unterstützungsfunktionen im Bildungsbereich umfangreich auszubauen, was angezeigt und richtig wäre! In der Vergangenheit sind immer mehr Reformen in immer schnellerem Takt durch das MK vorgegeben worden. Statt der notwendigen personellen Verstärkung soll also jetzt eine weitere Schulverwaltungsreform, mit heißer Nadel gestrickt, helfen?

Wie soll ein MK, das bisher rund 250 Mitarbeiter an einem einzigen Standort umfasst, nun plötzlich vier weitere Behörden mit zahlreichen Außenstellen und Zentren und insgesamt rund 1.000 weiteren Mitarbeitern direkt steuern können?

Ist es die Aufgabe eines Ministeriums, in „der Breite" vertreten zu sein oder sollte das MK sich nicht lieber auf sein Kerngeschäft konzentrieren, sprich: sinnvolle strategischen Vorgaben tätigen?

Aber vielleicht gehen diese Überlegungen gar nicht weit genug.

Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Reaktionen. Über allem schwebt in den Kommentaren aus Presse und Politik immer wieder die Frage, welche anderen Gründe es für die Zerschlagung noch geben mag. So wird vermutet, dass neben dem SPD-Projekt der „Bezirksregierungen light“ und dem aktuellen Druck auf den Minister ganz nebenbei auch noch ein dem MK unliebsamer Präsident enthoben werden soll.
Diese Reaktionen mag jeder selbst bewerten, unterm Strich bleibt: Das Beste für Schülerinnen und Schüler sowie für uns Lehrkräfte ist diese Entscheidung wohl nicht!