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Philologenverband: "Minister Tonne betreibt eklatanten Bildungsabbau durch die Hintertür"

Fremdsprachen sind grundlegend für interkulturelle Bildung und sichern Schülern Chancen in Europa und der Welt

Verpflichtung zu zwei Fremdsprachen in Klasse 11 muss erhalten bleiben

Scharf kritisiert hat der Philologenverband Niedersachsen die in der neuen Oberstufenverordnung vorgesehene Möglichkeit zur Streichung der zweiten Fremdsprache in Klasse 11. „Minister Tonne betreibt – ganz in der Tradition seiner Vorgängerin – weiterhin einen eklatanten Bildungsabbau durch die Hintertür", erklärte der Vorsitzende der Lehrerorganisation, Horst Audritz. „Die gezielte Aufweichung der Bildungsansprüche in der gymnasialen Oberstufe setzt sich damit auch nach der Wiedereinführung von G9 ungebrochen fort, und die Versprechungen des Ministers, die Einführungsphase qualitativ aufwerten zu wollen, erweisen sich schlicht als falsch.

Es sei absolut unverständlich und ein besonders gravierendes Beispiel für den planmäßigen Abbau notwendiger Leistungsanforderungen, dass die Verpflichtung zu zwei Fremdsprachen in der 11. Klasse der gymnasialen Oberstufe durch Beschluss des Schulvorstandes abgeschafft werden könne. Der Philologenverband habe seine Einwände gegen diese Streichung in vielen schriftlichen Eingaben und Veröffentlichungen sowie in Gesprächen im Ministerium ausführlich und detailliert dargestellt und begründet. Die vorgesehene Einschränkung fremdsprachlicher Bildung trage den Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler in einer europäisch und global vernetzten Welt in keiner Weise Rechnung. „Diese falsch verstandene Chancengerechtigkeit, im Sinne einer stetigen Absenkung des Niveaus, bewirkt das genaue Gegenteil und schadet unserer jungen Generation massiv", so Audritz. „Die sichere Beherrschung mehrerer Sprachen und interkulturelle Kompetenz, wie sie durch Fremdsprachenunterricht vermittelt werden, sind unverzichtbare Kernbereiche, die das Gymnasium in seiner qualitativen Arbeit charakterisieren."

Minister Tonne versuche mit seinem Verweis auf den sog. Regelfall, der eine verpflichtende Beibehaltung von zwei Fremdsprachen vorsehe, den schwarzen Peter den Schulen zuzuschieben. „Wer die Tür zu einem Ausnahmefall wie der Streichung einer zweiten Fremdsprache weit aufmacht, der muss doch davon ausgehen, dass diese Tür genutzt wird. Wenn der Minister nicht ganz blind ist, kann er die Augen davor nicht verschließen und muss handeln", kritisierte der Vorsitzende des Philologenverbandes. „Sich aus der Verantwortung für eine umfangreiche fremdsprachliche Bildung zu stehlen und sie allein in die Hände der Schulvorstände zu legen, ist zulasten der Schüler zutiefst fahrlässig."

Der Philologenverband forderte den Kultusminister noch einmal mit Nachdruck auf, von einer Streichung der Verpflichtung zu zwei Fremdsprachen in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe zum 1. August 2018 Abstand zu nehmen. „Aus unserer Sicht ist diese Streichung schul- und bildungspolitisch wie auch europapolitisch unvertretbar. Sie entbehrt jeglicher sachlichen Grundlage, wenn der Bildungsauftrag des Gymnasiums weiterhin ernsthaft wahrgenommen werden soll", so Audritz.

Hannover, 24.04.2018


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