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Philologenverband: „Bildung 2040" – ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver von den schulischen Nöten der Gegenwart

„Wir brauchen gute Bildung heute, nicht erst 2040"

Kritisch hat sich der Philologenverband Niedersachsen zu der von Kultusminister Grant Hendrik Tonne durchgeführten Veranstaltung "Bildung 2040" geäußert und sie als ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver bezeichnet, um von den gegenwärtigen Mangelzuständen und Nöten in unseren Schulen abzulenken.

"Wir stimmen mit dem Kultusminister völlig darin überein, dass unsere Kinder und Jugendlichen das Wertvollste sind, was wir haben", unterstrich der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz. Doch mit wohlklingenden Phrasen und ungedeckten Wechseln auf eine weit entfernt liegende Zukunft sei ihnen angesichts des erheblichen Lehrermangels und des massiven Unterrichtsausfalls, die heute ihren schulischen Alltag bestimmen, nicht gedient. „Wir brauchen derzeit nicht große Entwürfe und Diskussionen über die Bildung in einer weiten Zukunft, vonnöten ist derzeit vielmehr, dass wir pädagogische und didaktische Leitlinien für heutigen Unterricht und Erziehung aufzeigen und dass wir umgehend die personellen und materiellen Voraussetzungen schaffen, ohne die Schule nicht erfolgreich arbeiten kann", betonte Horst Audritz.

Deutlicher Beleg und geradezu symptomatisch für die Realitätsferne dieser Veranstaltung waren, so Audritz, die Ausführungen der Referentin Margret Rasfeld, die mit einem geradezu uneingeschränkten Wahrheitsanspruch auf ihre nur banal zu nennenden pädagogischen Visionen eine "Totaltransformation von Bildung und Gesellschaft" forderte, die eher überzogen-utopischen Charakter hatte als dass sie Hilfe für konstruktive und differenzierte Diskussionen hätte bieten können.

„Was wir jedoch angesichts der heutigen Gegebenheiten in unseren Schulen brauchen, ist eine ehrliche und umfassende Bestandsaufnahme und tatkräftiges Handeln, um endlich die vielen ungelösten Probleme wie beispielsweise nachlassende Bildungsqualität, Lehrermangel, Unterrichtsausfall sowie schlechte Lern- und Arbeitsbedingungen anzupacken", so Audritz. "In diesem Sinne gute Schule zu machen ist gegenwärtig eine besonders wichtige und vordringliche Aufgabe, wenn wir die Zukunftschancen der Kinder, die heute unsere Schulen besuchen, nicht verspielen wollen - alles andere sind durchsichtige Ablenkungsmanöver von der jetzigen misslichen Situation in unseren Schulen,", kritisierte Audritz.

„Wenn das Kultusministerium seine Energie und die personellen und finanziellen Ressourcen, die allein in den nächsten vier Jahren in das großangelegte Projekt „Bildung 2040“ fließen werden, auf die Lösung der derzeit drängenden Fragen verwenden würde, wäre unseren Schülern wirklich geholfen“, resümierte Audritz.

Hannover, 30.10.2018

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