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„Einheitsschule klar gegen den Bürgerwillen“

Deutliche Mehrheit der Bevölkerung für mehrgliedriges Schulsystem

Im Ergebnis der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach* im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für ein gegliedertes Schulsystem mit dem Gymnasium und einer Mischform aus Haupt- und Realschule nach der Grundschule aus. „Diese Befragung zeigt einmal mehr, dass das gegliederte Schulsystem von den Bürgen getragen wird und eine hohe Akzeptanz genießt, was auch der weiterhin steigende Zuspruch zu den Gymnasien untermauert“, erklärt Host Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen.

Die Ablehnung der Gemeinschaftsschule ziehe sich nach dem Bericht von Thomas Petersen vom Institut Allensbach durch fast alle sozialen Schichten, alle Altersgruppen, Frauen und Männer, Ost- wie Westdeutsche mit unterschiedlicher Schulbildung und mit verschiedenen Einkommen. Eine Beschulung der Schüler in einer Gemeinschaftsschule, in der die Schüler unabhängig von ihrem Leistungsniveau unterrichtet werden, werde klar abgelehnt. Stattdessen werde ein nach Leistung differenziertes mehrgliedriges Schulsystem, in dem auch die Förderschule neben den anderen Schulformen ihren regulären Platz hat, von 63 Prozent aller Befragten befürwortet.

„Wir sehen uns in unserer jahrelangen Forderung nach einem Zwei-Säulen-Modell mit einem wissenschaftspropädeutisch (studiumorientiert) ausgerichteten Gymnasium und einer berufspropädeutisch (berufliche Ausbildung) ausgerichteten Säule, die vor allem Hauptschule und Realschule auffängt, vollumfänglich bestätigt. Wer angesichts dieser Zahlen noch immer die Einheitsschule propagiert, handelt klar gegen den Bürgerwillen“, so Audritz.

Jedem so lange wie möglich einen Abschluss offenhalten zu wollen, sei Augenwischerei. „Wichtig ist eine frühzeitige Orientierung, verbunden mit einer relativen vertikalen Durchlässigkeit des Systems, wenn entsprechende Leistungsanforderungen für Abschlüsse erfüllt werden“, betont der Vorsitzende. Der fehlgehende Eindruck, es müsse jeder Abitur machen, sei fatal. So habe in den letzten Jahren das Image von Haupt- und Realschulen unter anderem dadurch Schaden genommen, dass politisch allzu stark auf die Gesamtschulen als Königsweg für alle Kinder gedeutet wurde. „Alle über einen Kamm zu scheren, das ist ungerecht und schadet am meisten unseren Kindern. Wenn wir, wie es gesellschaftlich Konsens ist, wieder verstärkt die Stärken des Einzelnen betrachten und ihn entsprechend fördern, kommen wir einer gerechten Schulbildung ganz sicher näher als mit Gleichmacherei“, so Audritz.


*Diese jüngste Umfrage vom 2. – 15.8.2019 vom Institut für Demoskopie Allensbach wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 21. August 2019 in der Rubrik Zeitgeschehen vorgestellt.